Zum ersten Mal forschen Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen an gemeinsamen naturwissenschaftlichen und technischen Projekten. Der Blog berichtet von der ersten Fahrt von Jugendlichen aus dem Schülerforschungszentrum Nordhessen SFN an den Polarkreis nach Nowy Urengoi und der Zeit über den Abschluss des Gegenbesuchs im November 2019 hinaus zu neuen Besuchen im Jahr 2020.

Blog von KP Haupt über die erste SFN Sibirienfahrt

Donnerstag, 23. August 2018

Die erste Videokonferenz zwischen den Forscherteams am 26.10.17

Liveschaltung zwischen Kassel und Sibirien

Nur weniger als ein Jahr nach der ersten Kontaktaufnahme kam es zum ersten Austausch von Projekten und Ideen zwischen der Schule Nr. 17 in Nowy Urengoi (Sibirien) und Teams aus dem SFN.

Die Video-Schaltung hatten wir eine Woche vorher schon geprobt, aber Ilian hatte alle Hände zu tun, ausgefallene Kabel, Stecker etc. zur Funktion zu überreden.
Das klappte pünktlich zum Beginn und danach zeigte sich Ilian als Master über unzählige Tastaturen, Bilder in Bildern, Wechselschaltungen zwischen zwei Beamern und Live-Filmaufnahmen der Experimente.
Um 12.00 Uhr eröffneten die beiden Leiter der kooperierenden Institutionen durch kurze Ansprachen die Konferenz.

Kassel

Sibirien



Zuerst stellte ein russisches Team ein Projekt vor, das untersucht in welchem Licht man Gewächshäuser in der Arktis optimal betreiben kann.
Überraschenderweise wächst Salat besonders gut unter gelbem Natriumlicht und erhält nur unter dieser Bestrahlung seine natürliche Farbe.


Hängt das mit der genetischen Veränderung der Pflanzen zusammen, die sich an die arktischen Lichtverhältnisse angepasst haben? Wie ist das bei deutschem Salat? Joris und Luca planen diese Fragen gemeinsam mit dem sibirischen Team zu lösen.
Beeindruckend: Es hat nur eine Viertelstunde gedauert und das erste Kooperationsprojekt stand.

Chris und Jan stellen ihren Laufroboter vor




Unsere Zuhörer/innen lauschten aufmerksam.... Leider fand diese erste Videokonferenz ohne Presse statt. Schade, eingeladen hatten wir….Auf russischer Seite war nicht nur die Zeitung vertreten, es berichtete auch eine überregionale Fernsehanstalt.

Привет, мы изучаем русский язык

Привет, мы изучаем русский язык 

"Hallo, wir lernen russisch!" 

Wir haben dann einige Stunden lang uns von einer Sprachlehrerin in Grundfertigkeiten der russischen Sprache einführen lassen, dabei aber eher noch mehr über die Mentalität und die Kultur der Menschen dort gelernt (verschiedene Arten der Anrede, Umgangsformen, Speisen...).


Unsere erste Russisch-Stunde


Mittwoch, 22. August 2018

Erster Besuch aus Russland

Am Do, 29.6. 2017 haben sich fast alle "Sibirienfahrer der ersten Generation" mit der Lehrerin Elena Voloshina aus Nowy Urengoi im SFN getroffen. Sie besuchte zu der Zeit Veranstaltungen der Universität Kassel.
Sie ist eine der Organisatorinnen in der sibirischen Partnerschule und wollte sich über das SFN informieren.
Wir hatten viele Fragen. Nun wissen wir, dass die Jugendlichen dort  sowohl deutsch als auch englisch lernen.
Und dass uns, wenn wir am Anfang Oktober anreisen werden,  dort Temperaturen um - 10°C erwarten...wir fliegen in den tiefsten Winter.

Vor unserer "Sibirienvitrine" im SFN


Dienstag, 21. August 2018

Kooperationsvertrag: Start auf dem 8. MINT Schülerkongress

Auf dem 8. Schülerkongress im Juni 2017 besuchte uns eine Delegation aus Nowy Urengoi, Schulleiter und Vertreter der Stadt, gemeinsam mit Vertretern von Wintershall, der Universität Kassel und der Stadt Kassel. In einer kleinen Feier unterzeichneten wir den Kooperationsvertrag:


Für die nächsten 10 Jahre werden regelmäßig Jugendliche aus dem SFN und aus der Schule Nr. 17 in Kassel und in Sibirien zusammentreffen und an gemeinsamen Forschungsprojekten arbeiten, alles finanziert von unserem Sponsor Wintershall Holding.

Wir hatten schon Teams ausgesucht, die bei der Unterzeichnung dabei waren.

Das liegt jetzt schon über ein Jahr zurück, war uns damals die Tragweite bewusst?

Zum ersten Mal weltweit ist eine solche Forschungskooperation zwischen Jugendlichen verschiedener Kulturen initiiert worden.
Nur wenige Wochen trennen uns nun vom ersten Flug nach Sibirien, viel ist in diesem Jahr passiert, an das ein oder andere werde ich in den nächsten Posts erinnern (bzw. neue Leser/innen informieren)...und dann geht es los, ich denke in ein bedeutsames Abenteuer, das, man verzeihe mir die etwas pathetisch klingenden Worte, aber ich empfinde es so, das die Welt ein klein bisschen verbessern wird.

Damals habe ich geschrieben:

"Sie lernen eine ganz andere Landschaft und Kultur nahe am Polarkreis kennen, werden begeistert sein von der Gastfreundschaft und Zuwendung unserer russischen Partnerfamilien sein.
Sie werden Freundschaften schließen, die weit über unsere Grenzen hinaus gehen und gemeinsam wissenschaftlich arbeiten."

Wir sind auf dem besten Weg, das zu verwirklichen!


Montag, 20. August 2018

Zu meiner Person


Hier stehe ich vor dem SFN. Es ist aus dem von mir 2001 gegründeten PhysikClub hervorgegangen.
Ich bin Lehrer für Physik, Mathematik, unterrichte aber auch Astrophysik und habe viele Jahre Philosophie unterrichtet. Fast 15 Jahre lang war ich im Studienseminar als Ausbilder für Physiklehrer tätig. Nun leite ich das SFN, habe aber noch zwei Physik-Leistungskurse an der Albert-Schweitzer-Schule.

Ich habe Physik und Astrophysik mit Abschluss Diplom und Mathematik mit Abschluss Staatsexamen an der Universität Göttingen studiert.
An der Heinrich-Schütz-Schule in Kassel war ich Referendar und nach einem kurzen Intermezzo an der Edertalschule in Frankenberg bin ich zur Albert-Schweitzer-Schule gekommen. Ab 2001 war ich Fachleiter Physik am Studienseminar in Kassel.

Seit 45 Jahren leite ich auch den Astronomischen Arbeitskreis Kassel (AAK) e.V.

Meine Hobbys waren Höhlenklettern und Filmen, u.a. habe ich mit Jugendlichen zusammen mehrere abendfüllende Spielfilme (u.a. Die Welle) produziert.
Seit 12 Jahren besuche ich in meiner Freizeit internationale Forschungsprojekte und drehe Filme darüber bzw. berichte in Vorträgen. Dadurch kann ich auch im Unterricht immer authentisch über moderne Forschung sprechen und erhalte auch viele Anregungen für unsere Arbeiten im SFN.
So war ich immer mehrere Tage bis zu einer Woche im Untergrundlabor Gran Sasso in Italien, im CERN am LHC, beim Satellitentestlabor ESOC in den Niederlanden, in den drei großen Sternwarten der ESO in Chile (La Silla, Paranal, Alma) und im tiefsten Labor der Erde (-2100 m), dem Sudbury Neutrinolabor SNOLAB in Kanada.
Vor zwei Jahren durfte ich die NASA Basis in Palmdale, Kalifornien besichtigen und an zwei Flügen mit dem Stratosphärenteleskop SOFIA teilnehmen.
Darüber gibt es einen eigenen Blog.
Am bisher anstrengensten waren sicherlich die Dreharbeiten bei ALMA in 5100 m Höhe, die ich ohne Sauerstoffflasche wohl kaum überstanden hätte.

Das Schülerforschungszentrum Nordhessen SFN

Im SFN arbeiten Jugendliche ab der Klasse 5 bis zum Abiturjahrgang an eigenen Forschungsprojekten aus dem MINT - Bereich: Physik, Technik, Chemie, Biologie, Informatik, Mathematik, Astrophysik, Elektrotechnik, Geophysik...

Arbeit in der Werkstatt

Green Tec Award 2017 an unser bienenteam

Höhlenerforschung

Das Forschungsboot

Regelmäßig melden sich etwa 400 Jugendliche an, die in etwa 180 Teams forschen. Die Jugendlichen kommen natürlich hauptsächlich aus Kassel und der Umgebung, unser Einzugsbereich erstreckt sich aber auf einen Umkreis von bis zu 100 km.
Außenstellen haben wir schon in Witzenhausen und Bad Hersfeld, weitere in Hofgeismar, Rotenburg, Melsungen und Arolsen werden dazu kommen.

Wir sind das einzige Trainingszentrum für den englischsprachigen Physik-Weltcup IYPT/GYPT und betreuen da Teams aus ganz Hessen.


Sich selbst regulierende Zahnspange

In der Sternwarte auf dem SFN

Internationale Auszeichung in Hongkong
Pro Jahr nutzen über 5000 Personen unsere Angebote. Allein 2000 Personen besuchen den jährlichen Schülerkongress.


Das Konzept wurde Ende 2001 entwickelt, im Februar 2002 kamen die ersten Schüler/innen, am 18.6.2012 wurde das neue Gebäude in der Parkstr.16 eröffnet.
Auf etwa 900 m² besitzen wir eigens für diesen Zweck von uns konzipierte Arbeits- und Laborräume, u.a. haben wir ein hochwertiges Zeiss-Mikroskop und ein Elektronenmikroskop, eine große Werkstatt für Holz- und Metallverarbeitung, ein Chemie/Biologie – Labor und einen für biologische Experimente ausgestatten Arbeitsraum. Wir haben ein eigenes Schalllabor aufgebaut, können in einem Dunkellabor mit hochempfindlichen AP-Dioden und einem Picosekundenlaser arbeiten. 
Eine Hochgeschwindigkeitskamera, eine Vakuumappartatur  und eine Wärmebildkamera stehen zur Verfügung.
Neben der Möglichkeit eigene Forschungsarbeiten durchzuführen, besteht auch ein weitgefächertes Rahmenprogramm an Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden.
Für Grundschüler/innen bieten wir eine Ferienakademie an.
Das Einstein – Labor und die Sternwarte stehen allen Schulklassen Nordhessens für Unterrichtszwecke zur Verfügung. Die Sternwarte besitzt die einzige behindertengerechte Fernrohrmontierung Hessens.

Kinder der Klassen 5 und 6 werden in Kursen an freies und forschendes Arbeiten herangeführt. Schon in der Klasse 7 beginnen einjährige Forschungsprojekte, die Bearbeitung der Themen im ScienceClub ab Klasse 9 kann bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen.
Die Jugendlichen erhalten keine vorgegebenen Aufgaben, sondern arbeiten sich eigenständig in interessante Rahmenthemen ein und finden ihre eigenen Forschungsfragen.
Die Mitarbeiter/innen des SFN agieren nicht als Wissensvermittler sondern als Berater und Coach.
Wir kooperieren inzwischen mit 25 nordhessischen Schulen, die eigene Abordnungen an das SFN senden. Diese 15 Lehrer/innen werden von 25 Studenten der Universität Kassel unterstützt.
Auch die Kleinsten forschen

Bundessieg 2018

Ferienakademie

Marsrover

Unsere Bilanz bei Wettbewerben:
Seit 2004 sind 300 Arbeiten  für „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ im SFN betreut worden, darunter  sind 135 Arbeiten für "Jugend forscht"  und 165 Arbeiten für "Schüler experimentieren".
70 Projekte wurden auf Landesebene ausgezeichnet, davon haben es 29 SFN – JuFo - Teams bisher bis zum Bundesfinale geschafft (Landessiege) und sieben Bundessiege, darunter den Preis des Bundespräsidenten, sowie  20 Sonderpreise und zahlreiche Platzierungen erhalten.
2014 und 2015 hat unser Technikteam auf dem Europawettbewerb den dritten Platz erreicht, auf dem weltweiten Wettbewerb ISEF haben wir 2015 den ersten Platz in Chemie und 2016 und 2017 jeweils  den vierten Platz in Astrophysik und Physik  belegt. 2015 haben wir auch eine Silbermedaille beim größten asiatischen Wettbewerb CASTIC erhalten.
Unsere Teams haben aber auch zahlreiche andere Auszeichnungen auf Landes- und Bundesebene erhalten (MINT Award, Smart Energy Award, GreenTec Award u.v. mehr).
Wir arbeiten auch zweisprachig, zahlreiche Teams werden in Englisch betreut und nehmen an dem internationalen Physik-Weltcup teil.
Ein SFN Team wurde 2014 deutscher Meister bei der inzwischen von der DPG betreuten deutschen Vorentscheidung der Physikweltmeisterschaft, die wir im SFN zum ersten Mal organisiert haben. Bisher fünfmal waren SFN – Jugendliche in der „Nationalmannschaft“ und haben bei der Weltmeisterschaft viermal eine Silbermedaille erhalten.
Damit sind wir bundesweit eine der erfolgreichsten Organisationen bei der Betreuung von Forschungsarbeiten von Jugendlichen. Es sollte noch erwähnt werden, dass nur ca. 20 % unserer Teams überhaupt an Wettbewerben teilnehmen, viele Teams forschen auch ohne Wettbewerb sehr ehrgeizig und engagiert.

Das Konzept des SFN ist mit dem NaT Working Preis der Robert – Bosch – Stiftung, dem Klaus von Klitzing Preis der Universität Oldenburg und dem Kerschensteiner - Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet worden.

Diese zahlreichen Erfolge bewegen die Wirksamkeit unseres Konzeptes. Eine Evaluation von Prof. Dr. Messner (Universität Kassel) hat die Nachhaltigkeit unserer Arbeit auch auf Berufswahl und Studium bestätigt.
Das SFN leistet für die gesamte Region Nordhessen einen wichtigen Beitrag in der MINT Bildung. Unsere Arbeit lässt sich gut mit der eines Sportvereines vergleichen: Wir beginnen mit der Breitenförderungen, erkennen Talente und führen sie in die Bundesliga.