Zum ersten Mal forschen Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen an gemeinsamen naturwissenschaftlichen und technischen Projekten. Der Blog berichtet von der ersten Fahrt von Jugendlichen aus dem Schülerforschungszentrum Nordhessen SFN an den Polarkreis nach Nowy Urengoi und der Zeit danach bis zum Abschluss des Gegenbesuchs im November 2019.

Blog von KP Haupt über die erste SFN Sibirienfahrt

Donnerstag, 30. August 2018

Teilnehmer: Jaro Habiger

Jaro gehört zu den SFN-Urgesteinen, er arbeitet schon seit über 5 Jahren an zahlreichen Projekten mit.
Zur Zeit der Sibirienfahrt ist er gerade 18 Jahre geworden.

Er besucht die Q1-Phase der Jacob-Grimm-Schule in Kassel, ging vorher auf die Reformschule in Kassel.

Zur Zeit beschäftigt er sich mit Roboterbau, Videoverarbeitung und Bilderkennung und hat dazu schon Kontakt zu zwei Jungen aus der Schule Nr.17.
Außerdem arbeitet er an einem Problem des englischsprachigen Physik WeltCups.



Interview am 24.8.:

"Ich freue mich auf das kalte Klima und viele spannende Erfahrungen. Insbesondere interessiere ich mich auch für das Schulsystem. Ich möchte auch mehr über die Einstellungen der Menschen erfahren, wie denken sie z.B. über Schule und Politik."

 2014 wurde Jaro zum ersten Mal Regionalsieger bei "Schüler experimentieren" mit REAC, einer Möglichkeit einen Computer zu leihen (Rent a Computer).

Auf dem Regionalwettbewerb 2014


Erneut Regionalsieger wurde er 2015 mit einem Projekt zur Muskelentspannung, er wurde auch zum Landeswettbewerb hochgestuft, erhielt dort mit seinem Team einen dritten Platz und 2 Sonderpreise.

2015, Landeswettbewerb


2016 war er dann alt genug für "Jugend forscht" und wurde mit seinem Projektpartner Regional- und Landessieger  (Ortungsverfahren für Schallquellen) und erhielt auf dem Bundeswettbewerb einen Sonderpreis.

Bundeswettbewerb 2016

Landeswettbewerb 2016


Jaro hat viele Workshops im SFN betreut und  war an der Umgestaltung unseres gesamten Computersystems maßgeblich beteiligt. 2017 wurde er für den SFN Award nominiert.

Teambetreuung 2017


Mittwoch, 29. August 2018

Was erwartet uns auf der Fahrt?

In Moskau werden wir im Hotel übernachten, in Nowy Urengoi werden die Jugendlichen bei den Familien wohnen, mit deren Kindern sie gemeinsame Projekte durchführen werden.

In einem Jahr gibt es einen entsprechenden Gegenbesuch, da übernachten die russischen Jugendlichen bei den Familien der SFNler.

Mo, 1.10.:
 Flug nach Moskau, Abend in Moskau

Di, 2.10.:
Stadtbesichtigung, Besuch der Lomonosov Universität (41 Fakultäten, über 40 000 Studenten)


Mi, 3.10.:
Weiterflug nach Nowy Urengoi
gemeinsame Planung, Kennenlernen, Gastfamilien

Do, 4.10:
Gegenseitige Präsentationen der Projekte, danach Beginn der gemeinsamen Forschungen

Fr, 5.10.:
Am Vormittag übernehmen die Schüler/innen die Schule Nr. 17 und unterrichten ihre  Lehrer/innen...wir werden dabei sein....
Am Nachmittag besuchen wir das Museum der Gazprom

Sa, 6.10.:
Am Vormittag lernen wir das russische Bildungssystem kennen, informieren uns über die Geschichte der Stadt und arbeiten danach wieder an den Projekten

So, 7.10.:
Am Vormittag wird gemeinsam geforscht, danach gemeinsam gekocht und am Nachmittag besuchen wir eine Theateraufführung von Jugendlichen für Jugendliche

Mo, 8.10.:
Vormittag: Fahrt an den Polarkreis
Nachmittag: Besuch der Ökostation für Jugendliche
Abends: Gemeinsames Forschen

An einem Abend werden wir bei klarem Wetter auch aus der Stadt hinausfahren um uns Polarlichter anzusehen.

Di, 9.10.:
Ganztägige Besichtigung der Gasaufbereitungsanlagen
Abends: Vorläufiger Abschluss der Forschungsprojekte, Präsentationen

Mi, 10.10.:
Rückflug über Moskau nach Frankfurt, Fahrt nach Kassel





Teilnehmer: David Spyra und Luke Schmitt

David wird in Sibirien seinen 16. Geburtstag feiern, Luke ist 15.

David wohnt in Edertal und Luke in Fritzlar. Beide gehen auf die Ursulinenschule in Fritzlar in die 10. Klasse.

Sie sind seit zwei Schuljahren im SFN und beschäftigen sich mit kosmischen Müonen.

Zuerst hatten sie geplant einen Stratosphärenballon zu entwickeln in dem ein Müonendetektor eingebaut ist und die Stärke der Müonenstrahlung misst.

Müonen sind Teilchen, die in de roberen Atmosphäre der Erde entstehen und eigentlich nicht  hier unten ankommen dürfen, denn sie sehr fallen nahezu sofort. Da sie sich aber mit fast Lichtgeschwindigkeit bewegen, vergeht für sie die Zeit so langsam, dass sie in der Regel erst tief in der Erde zerfallen.

Da sie in Wasser oder Plastik schneller als Licht dort sind, erzeugen sie Lichtblitze (wie ein Überschallknall), die man millionenfach verstärkt, nachweisen und zählen kann.


Luke (links) und David mit dem Müonendetektor


Ihr erster Detektor benutzte Wasser, das gefriert aber in größeren Höhen zu  schnell. Statt dessen entschieden sie sich dann für ein Szintillatormaterial (das auch aufleuchtet, wenn ein Müon hindurch fliegt). Das aber ist so schwer, dass wir das mit unserem Ballon aus Sicherheitsgründen  nicht fliegen lassen dürfen.

Also entwickeln sie jetzt erst einmal eine Bodenstation, die, wenn alles gut läuft, auch in Nowy Urengoi aufgestellt werden kann.
Ihr Ziel: Zwei Messstationen, die die Stärke der Müonenstrahlung am Polarkreis und in den mittleren Breiten von Kassel misst.

Damit dieses Projekt auch über viele Jahre betreut ist, arbeitet jetzt auch Mayya mit, sie könnte in zwei Jahren nach Sibirien fahren und das Projekt dort fortsetzen.

Ich habe David und Luke  am 24.8. interviewt:

"Was verbindet ihr mit der Sibirienfahrt des SFN?"

Sie freuen sich darauf sich mit anderen Leuten auszutauschen, die auch Forschungen betreiben. Sie sind neugierig auf die Menschen in einem anderen Kulturkreis, der sie interessiert, den sie aber auch wegen der geographischen Lage ungewöhnlich finden.


David und Luke sind auch ausgezeichnete Organisten.

Bei unserer Jahresabschlussfeier am 22.12.2017 improvisierten sie vierhändig auf der großen Schulorgel der Albert-Schweitzer-Schule zu verschiedenen, nicht nur weihnachtlichen, Themen.

Aula, Orgel vorne rechts

Schlussakkord


Montag, 27. August 2018

Besuch im SFN

Am Fr, 20.7. besuchte uns Frau Zoya Solovyova, Lehrerin an der Schule Nr.17, im SFN. Trotz der hessischen Sommerferien konnte sie sich mit einigen der Teams treffen, die bald nach Sibirien fliegen werden.
Hier sehen wir sie mit Leon N, der für die Software des Karstanalysebootes verantwortlich ist und u.a. LIDAR - Messungen auswertet.


Das Wetter in den nächsten Tagen....

... in Nowy Urengoi:

Uns erwarten Anfang Oktober Temperaturen, wie wir sie eher in einem kälteren Winter in Kassel gewohnt sind, vielleicht sogar schon mit Schnee.

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage für Nowy Urengoi sieht noch nicht danach aus:

Montag: Regen, 10° bis 16°C
Dienstag und Mittwoch: Wechselnd bewölkt, 9° bis 18°C

Ende September wird die Temperatur dann sehr schnell in den Keller gehen...bei der richtigen Kälte von - 25°C Ende Januar werden wir dann im gemütlich warmen nordhessischen "Winter" sein.

Sonntag, 26. August 2018

Letzte Videokonferenz, dieses Mal mit Eltern

Am 31.5.18 war nun die letzte große Videokonferenz.
 Da die Eltern dabei waren, nahmen über 70 Personen teil.


Die  Eltern und Jugendliche aus dem SFN trafen sich schon um 11 Uhr um wichtige organisatorische Fragen zu klären.

Dann gab es einen kleinen Mittagsimbiss und um 12 Uhr begann die 90- minütige Videokonferenz.


Blick nach Sibirien und zurück nach Kassel


Zuerst wurde uns das Programm für den Aufenthalt vorgestellt.
Es ist klug und abwechslungsreich zusammengestellt und wird uns einen vielfältigen Einblick in das Leben und die Kultur dieser Stadt aber auch die Arbeit der Schule geben.

Während unseres Aufenthaltes gibt es einen besonderen Tag, an dem die Jugendlichen die Kontrolle der Schule übernehmen und den Unterricht auch für die Lehrer gestalten! 
Da werden wir dabei sein!

Wir werden gemeinsam heimische Gerichte kochen und verköstigen, an den Polarkreis fahren, Polarlichter sehen, die Anlagen von Gasprom besichtigen und vieles mehr.
Es gibt aber auch Raum für viele gemeinsame Forschungsarbeiten der insgesamt 24 Jugendlichen.





Fragen an Frau Dr. Adams

Dolmetscher

Nach Beendigung der Konferenz beantwortete Frau Dr. Adams die vielen Fragen der Eltern.

Zum Abschluss wurden die Reisepässe eingescannt, damit Einladungen und Visa in die Wege geleitet werden können.
Nun kann es losgehen....

Samstag, 25. August 2018

Zweite Videokonferenz am 26.4.2018



Auf dieser Konferenz begegneten sich zum ersten Mal einige Teams, die in Zukunft intensiver zusammenarbeiten werden.

Zuerst begrüßte ich den Direktor der Schule Nr. 17, Viktor Kustov, und die Schüler/innen aus Nowy Urengoi.




Danach stellten zwei sibirische Schüler  ihr Projekt zu einem Roboterarm vor, zu dem Jaro aus dem SFN Softwareentwicklung beitragen möchte. Aber auch sein ehemaliges SFN – Projekt zur Schallortung fanden die russischen Jugendlichen sehr spannend. Vielleicht arbeiten die drei Jugendlichen gemeinsam an beiden Ideen weiter. 




 Drei Schülerinnen aus Sibirien, die schon Kontakt zu Joris und Luca hatten, stellten ihr Biologieprojekt zum Wachstum von Pflanzen unter elektrischem Strom vor. Auch die beiden deutschen Schüler hatten schon ein vergleichbares Projekt und so gab es auch hier ganz schnell Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Arbeit.









Zum Schluss stellten noch David und Luke ihr Projekt zum Nachweis kosmischer Müonen vor. Sie würden gerne mit Schülern aus Nowy Urengoi zusammenarbeiten und Victor Kustov und ich bekräftigten noch einmal ihre Vision von parallelen Messstationen in Kassel und Sibirien.





Aus dem SFN werden noch andere Schüler bzw. Teams mit nach Sibirien fahren, die dort ihre aktuellen Forschungsprojekte vorstellen werden bzw. ihre neuen Projekte  per Mail beschreiben und vielleicht finden sich auch hier weitere Forschungskooperationen.

Wir betreten hier alle Neuland, wir bauen etwas auf, was bestimmt einmalig nicht nur in Europa sein wird und gleich zu Beginn haben sich schon drei Teams gefunden, die in den nächsten Jahren gemeinsam über kulturelle und politische Grenzen hinweg zusammenarbeiten.

Jugendliche überwinden Grenzen und stärken damit eine friedliche und gemeinsame Zukunft aller. Diese jungen Menschen  verbindet Neugier und Forscherdrang, kulturelle und sprachliche Hindernisse werden dabei spielend genommen.