Zum ersten Mal forschen Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen an gemeinsamen naturwissenschaftlichen und technischen Projekten. Der Blog berichtet von der ersten Fahrt von Jugendlichen aus dem Schülerforschungszentrum Nordhessen SFN an den Polarkreis nach Nowy Urengoi und der Zeit danach bis zum Abschluss des Gegenbesuchs im November 2019.

Blog von KP Haupt über die erste SFN Sibirienfahrt

Donnerstag, 20. September 2018

Permafrost Pioniere

14 Permafrost Pioniere, begleitet von sachkundigen Damen und Herren, sind kurz vor vielleicht einem der größten Abenteuer ihres bisherigen Lebens...

Ich war schon überall auf der Welt, auf einer einsamen Insel ganz oben in Grönland, in der australischen Wüste oder  mitten in Spitzbergen...aber immer konnte ich da einfach hin...jetzt aber steht eine Reise bevor, die ich nur machen kann, weil mich fremde Menschen einladen, in eine moderne Stadt mitten in der kalten Eiswüste.
Für mich ist das ein ganz besonderes Abenteuer, auf das ich mich zunehmend freue.

Heute wurden die Permafrostler von Frau Adams in die Geflogenheiten unserer Gastgeber eingeweiht.


Einführung in die russische Kultur
 Welche Einstellungen unterscheiden sich vielleicht von unseren, welche Kommunikationshürden gibt es?
Wir haben viele Eigenschaften kennen gelernt, die wir für typisch deutsch halten und die man für typisch russisch hält (wobei ich mich eher unter russisch einordnen würde..., bis auf die Kleidung, da liege ich eher jenseits von deutsch auf der anderen Seite...). Auf Anhieb waren mir unsere Gastgeber sympathisch....

Wir haben aber auch viele interessante Fakten erfahren:

Unsere Partnerschule ist hochmodern eingerichtet, die Benutzung von Handys ist nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht (außer bei Klausuren natürlich).

Wenn ein Schüler die Schule betritt, loggt er sich ein, seine Eltern erreicht eine SMS, die das Ankommen mitteilt und sein Name erscheint zur Begrüßung auf einer großen Tafel.
Beim Verlassen loggt man sich aus und die Eltern wissen, dass ihr Kind auf dem Heimweg ist.

Man könnte sofort denken: typisch russisch, Kontrolle...Nein, es ist ein von allen akzeptierter und gewollter Schutz, da es früher sehr oft Anschläge auf Schulen und Kinder gegeben hat.

Die Jugendlichen dort haben 5 Tage den ganzen Tag über Unterricht und zusätzlich jeden Samtsag am Vormittag.
Es gibt drei Monate Sommerferien und dann nur kurze Ferien im Winter und Frühjahr.
Nach vier Jahren Grundschule, 5 Jahre Mittelstufe und 2 Jahre Oberstufe kann man mit 17 sein Abitur haben.

Die Wohnungen in Nowy Urengoi sind sehr klein. Das Bauen auf Permafrostboden ist sehr schwierig. Als die Stadt gegründet wurde und man schnell viele Wohnungen brauchte, war es sinnvoll auf den kleinen zur Verfügung stehenden Flächen viele kleine Wohnungen zu bauen.

Ich kenne ähnliche Probleme von Spitzbergen...da stehen die Häuser auf Pfählen, da sie sonst beim sommerlichen Auftauen des Bodens einfach einsinken würden....
Fundament eines Neubaus auf Spitzbergen

Pyramiden- eine verlassene russische Enklave auf Spitzbergen


Ich habe früher oft gemeinsame (astronomische) Lager mit internationalen Jugendlichen organisiert. Damals hat es nicht lange gedauert und alle sind vollkommen problemlos miteinander umgegangen.

Ich bin mir sicher, das wird jetzt auch passieren. Schon an den Chatnachrichten erkennt man, das vorurteilsfreie Neugier auf beiden Seiten überwiegt.

Man weiß vom "Anderssein", aber es wird keine Rolle spielen.

So sehe ich unsere Fahrt auch als einen Beitrag zur Völkerverständigung, zu einer Stabilisierung unser aller Zukunft.

Wir Permafrost Pioniere werden uns dieser Aufgabe bewusst sein.

Gruß aus Kassel: Blick vom SFN über die Türme der Friedenskirche zum Herkules

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