Zum ersten Mal forschen Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen an gemeinsamen naturwissenschaftlichen und technischen Projekten. Der Blog berichtet von der ersten Fahrt von Jugendlichen aus dem Schülerforschungszentrum Nordhessen SFN an den Polarkreis nach Nowy Urengoi und der Zeit danach bis zum Abschluss des Gegenbesuchs im November 2019.

Blog von KP Haupt über die erste SFN Sibirienfahrt

Montag, 15. Oktober 2018

Ilians Eindrücke

Die Herausforderung unseres Austauschs nach Russland war, Projekte im
Sinne des freien Forschens, nach dem die Schüler* im SFN arbeiten,
grenzenübergreifend in Russland an einer Schule zu starten. Schon für
die Schüler im SFN ist es erstmal schwer, ein Projekt selbst zu planen
und zu verwirklichen, weil diese Art zu arbeiten nicht in der Schule
gelehrt wird. Und diesmal war unser Vorhaben kein Heimspiel im SFN...

Eine natürliche Erschwernis war die Sprachbarriere, nur manchmal konnten
wir direkt kommunizieren, sowohl mit den russischen Lehrern*, als auch
die Schüler* untereinander. Schönerweise haben zusätzlich zu unserem
Dolmetscher auch Lehrer* und Schüler* beider Länder bereitwillig und
teilweise stundenlang übersetzt.

Gänzlich neu für russische Schüler* und Lehrer* war unser Konzept von
freien Schülerprojekten. In den russischen Forschungsprojekten hatte der
Lehrer bei Zielsetzung und Durchführung eine zentral leitende Rolle. In
unseren nehmen die Schüler diese Rolle selbst ein, bestimmen Themenwahl,
Zielsetzung und Methoden. Entsprechend verstanden die russischen
Schüler* erst nicht, was sie eigentlich tun sollten, weil sie gewöhnt
waren, ausgearbeitete Pläne umzusetzen. Nach einiger Zeit ist der der
Groschen aber gefallen und in den letzten Tagen konnte man schon
planende, diskutierende Schülerteams sehen, sodass die Anwesenheit eines
Beraters nur selten nötig war. Letzteres war für russischen Lehrer neu.
"Wer leitet die Kinder an?" war die charkateristische Frage, als die
ersten selbstbestimmten Schülerprojekte starteten. Die Antwort
verblüffte: „Sie selbst!“ Generell ging es an der russischen Schule
diszipliniert und strukturiert zu, was die gemeinsame Arbeit angenehm
machte.

Sowohl Lehrer* wie Schüler* ließen sich auf das neue Konzept ein und die
Schüler* konnten die ursprünglichen 3 angeleiteten Projekte um 4
selbstbestimmte ergänzen. In Anbetracht der gerade mal einwöchigen
gemeinsamen Arbeit ist das ein tolles Ergebnis.

Das war nur möglich, weil uns von russischer Seite alle mit großer
Offenheit, Interesse und vor allem Freundschaftlichkeit begegnet sind.
Es war einfach toll, wie sich Presse, Stadtverwaltung, Schulleitung,
Lehrer und Schüler für unseren Besuch interessiert haben. Überall hatte
ich das Gefühl unter Freunden zu sein. Das war trotz der eindrucksvollen
Erlebnisse und Besichtigungen für mich die wertvollste Erfahrung unseres
Austauschs.

Ein Sinnbild für die Kommunikativität und Freundschaftlichkeit in der
russischen Kultur ist mir in einem Park in Moskau aufgefallen: An jeder
Ecke stehen dort überdachte Sitzbankrunden, in denen man automatisch ins
Gespäch kommt, mit Freunden wie mit Fremden.


Durch das begonnene Austauschprogramm haben wir methaphorisch eine
solche Runde gebildet, in der Fremde zu Freunden und Projektpartnern
geworden sind. Und es wäre schön, wenn wir auch in unserem Land die
Bänke zusammenschieben und die Blicke aufeinander richten.

Ilian Eilmes

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